Jens Richard, Berlin-Charlottenburg

Flanieren auf dem                             Kurfürstendamm

Der Kurfürstendamm in Berlin ist genau die richtige Adresse, um hoch–wertige Wohnaccessoires, Küchendinge und edlen Schmuck zu verkaufen. Das hat sich auch Jens Richard Priewe gedacht und hier kurzerhand ein Geschäft eröffnet. Mit dabei: Porzellantrouvaillen, Silberstücke, Glasobjekte.

Ein Spaziergang entlang des Kurfürstendamms ist immer ein schönes Erlebnis. An der Ecke Olivaer Platz geht es ziemlich vornehm zu: Mode- und Schmuckboutiquen, Möbel-Showrooms und Kunstgalerien reihen sich aneinander. Mitten auf dem breiten Trottoir sind Schaufensterkästen mit Werbung platziert. Schaut man hinein, entdeckt man: Nicht weit von hier liegt das Geschäft von Jens Richard Priewe, das er zusammen mit seiner Ehefrau Marlen betreibt. Er verkauft Table-ware, Wohnaccessoires und Schmuck von Luxusmarken wie Pott, KPM, Georg Jensen, Lalique, Kosta Boda, Christofle, Lladró und Royal Copenhagen – aus Silber, Biskuitporzellan und mundgeblasenem Glas.

Erfahrungsschatz
Vor drei Jahren hat Jens Richard Priewe den Laden eröffnet und ihn nach seinen ersten zwei Vornamen benannt. Die exponierte und prestigeträchtige Lage zwischen Ku’damm und dem noblen Giesebrechtstraßen-Kiez mit seinen imposanten Jahrhundertwendehäusern ist dem Geschäftsmann extrem wichtig. „Berlin boomt und viele Menschen richten sich neu ein“, sagt der passionierte Ladeninhaber und hat scheinbar eine Marktlücke entdeckt. Denn außer im KaDeWe werden die von ihm geführten Marken in dieser Auswahl fast nirgendwo in Berlin verkauft. „Die Kombination von Schmuck, Tisch-kultur und Dekorationsobjekten ist schon sehr eigenwillig“, sagt Priewe. Doch er hat den Schritt in die Selbstständigkeit nicht einfach so gewagt, im Gegenteil: Priewe hat viel Erfahrung im Entdecken und Verkaufen von schönen Dingen. Über zwanzig Jahre hat der 45-Jährige im Fachgeschäft J. H. Becker in Köln gearbeitet und es dort vom Ferienjobber bis zum Geschäftsführer geschafft. Der Architekt, der auch Schauwerbegestalter gelernt hat, hat den Job von der Pike auf gelernt, was ziemlich praktisch ist. Zwar sei es nicht so schwer, die richtigen Marken auszuwählen und einen Laden damit einzurichten, sagt er. Doch alles andere – Buchführung, Bestellwesen und Lagerhaltung z.B. – sei schon ziemlich komplex.
Architektending
Priewe hat die gesamte, industriell anmutende Einrichtung selbst geplant. „Mir war wichtig, dass der Ladenbau Charakter hat“, sagt er und fügt hinzu: „Ich bin die Marke.“ Dass hier ein Architekt am Werk war, sieht man sofort, wenn man den Eckladen betritt. Steingrauer Betonfußboden trifft auf grazile schwarze Glasvitrinen von Georg Jensen, selbst entworfene und maßgefertigte Möbel und einen Klassiker, den Barcelona Chair von Mies van der Rohe mit hellbraunem Lederbezug. Einen warmen Touch ins kühle Ambiente bringen Antiquitäten aus Holz und ein schwerer tiefblauer Vorhang. Die 120 m² große Ausstellungsfläche wird durch weiße Regale vom 40 m² großen Back-Office-Bereich mit kleinem Lagerraum abgetrennt. Zum Kurfürstendamm und zur Giesebrechtstraße hin befinden sich rundumlaufende, raumhohe Schaufenster, die genügend Platz zum Dekorieren lassen und viel Tageslicht ins Innere lenken.
Geschichtenerzähler
Jens Richard Priewe ist gern unterwegs, insbesondere auf Messen wie der Maison & Objet in Paris, wo er neue Brands und Produkte aufstöbert. Gerade hat er das praktische Schubladenmöbel mit Betonoberfläche im Zentrum des Showrooms mit Porzellanstücken von Hering Berlin gedeckt, fein dekoriert mit grünem Moos und Zweigen. Und während wir uns unterhalten, trinken wir Mineralwasser aus farbigen Glasbechern von Nason Moretti, einem seiner Bestseller. Die meisten Kunden entdecken das Geschäft übrigens im Internet, weshalb klassische Kundenbindungsinstrumente für Priewe kaum Bedeutung haben. Er und seine vier Mitarbeiter legen Wert auf eine persönliche und auch objektive Beratung, sind sehr serviceorientiert und erzählen gern die Geschichten hinter den Marken. Zu Jens Richard kommt nur wenig Laufkundschaft, die Kunden suchen das Geschäft gezielt auf. Einen „typischen“ Jens-Richard-Käufer gibt es auch, Priewe beschreibt ihn so: 50 plus, Akademiker (gern Rechtsanwalt, Arzt, Architekt), hohes Einkommen. Doch auch der weniger gut betuchte Liebhaber schöner Dinge kann in dem Multi Brand Shop etwas finden: einen Weihnachtsanhänger von Georg Jensen für 17 Euro beispielsweise. Am anderen Ende der Messlatte: eine Vase von Venini für 10.000 Euro. Manchmal richtet Priewe auch ganze Wohnungen ein – für Kunden, „die repräsentieren müssen, aber nicht sicher sind, was gut aussieht in ihrer Wohnung“. Nun, dafür sorgt Jens Richard!
Claudia Simone Hoff